Ich bin das letzte Monster

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Bumm: Otto Wanz, Wrestlingweltmeister.

Als wir das Haus von Otto Wanz betreten, ist das Einzige, worauf wir schauen können – Butch, sein 81  Kilo schwerer Bullmastiff. Und das, obwohl Otto Wanz selbst so leicht ja auch nicht zu übersehen ist. 175 Kilo voller Anekdoten über Schwarzgeld, enttäuschte Frauen und Telefonbuchzerreißen. Ein Auszug.
von Michaela Bilgeri & Johannes Scheutz

 

[…] LJ: 1982 sind Sie dann in Amerika Weltmeister geworden.

Wanz: Ja, aber da hatte ich ja herüben schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Dadurch bin ich ja rüber gekommen. Supergagen! Da waren 15-20.000 Zuschauer. Alles restlos ausverkauft! Und dann gibt’s natürlich Schecks – je nach dem wie hoch deine Prozente waren. Und das sind schon (lacht) – da sag ich ohlala!!  Das ist ein dicker Batzen! Nur, es war halt, ich hatte keine grüne Karte. Ich hab das sozusagen schwarz gemacht. Drum hab ich mir gesagt: Nur nirgends anmelden, jeden Tag das Hotelwechseln.  In Amerika ist es, wenn ich einen erschlag oder erschieß, viel leichter zu entkommen, als bei Schwarzarbeit. Schwarzarbeit wird drüben bestraft auf´s Schlimmste, da giltst du als Volksbetrüger, die sind da anders eingestellt. Bei uns ist das ein Kavaliersdelikt, jeder sagt  ‚Ha! Hast du die Steuer beschissen, das ist klass!‘ Aber drüben ist das teuflisch. Es war dann so, dass ich fast verzweifelt bin am Schluss, weil ich mein Geld nicht abheben konnte. Weil auf einmal hieß es, ich krieg da nur 9000 raus am Tag und dann hab ich mir gedacht: Na Danke, jetzt kann ich das kleinweise rausklauben,  das kann ja eine längere Zeit… (lacht). Außer ich überweis es offiziell, ja dann kann ich auch Millionen überweisen. Gut, ich bin schlussendlich gut nach Hause gekommen und hab es hinter mir, da will ich jetzt nicht näher ins Detail gehen (lacht).

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LJ: Waren Sie in Amerika als Wrestler eigentlich einer der Bösen oder der Guten?

Wanz: Das können sie sich selber aussuchen. Das ist – sie müssen erfolgreich sein. Das Schlimmste ist, wenn Sie in die Halle kommen und es rührt sich nichts. Dann sagt der Veranstalter nach zwei Tagen ‚Tschüss, Baba!‘ und Sie können wieder gehen.

LJ: Da ist also schon viel Schauspielerei auch dabei?

Wanz: Das ist absolut dabei. Ohne die würde es nicht gehen. Das streitet ja auch kein Mensch ab.

LJ: War das in Amerika noch mehr der Fall als in Österreich?

Wanz: Das ist überhaupt kein Vergleich. Das ist um 300 Prozent mehr. Da haben wir von Montag bis Mittwoch jeden Tag nur Studioarbeit gehabt. Da musste ich dann eineinhalb bis drei Minuten über meinen Gegner reden. ‚Ich werd ihn brechen, ich werd ihn fressen, ich bin der Böse, ich bin der Größte, ich bin der Wildeste!‘ Den amerikanischen Schmunzus halt. Und alle Interviewer sagten: ‚Fang ganz normal mit Englisch an und sobald irgendwas kommt, wo du sagst, jetzt wirst du haß, jetzt flippst du aus, dann red auf Deutsch weiter.‘ Also in der Art ‚Was glaubt denn der Idiot da? Dem reiß ich den Haxn aus, na dem werd ich´s zeigen!‘ Und dann war nur noch ‚Otto! Otto!‘ wenn ich gekommen bin. ‚Wenn der haß wird, redet er Dialekt! Und das ist ein echter, nicht ein gemachter German.‘ Für mich war es extrem schwer, weil ich bin nicht der Typ, der dieses Kasperltheater mit dem vielen Gewand und diesen ganzen Scheiß mitmacht. Und sie haben gesagt: ‚Wenn du dich nicht anpasst, an unsere Sache hier, dann kannst du gleich nächste Woche wieder heimfliegen.‘ Dann bin ich halt mit dieser Lederhose und dem Gamsbart herumgerannt. Ja, nur! (lacht) Sicher. Ohne Lederhose und Gamsbart nie!

L: Sind die Kämpfe eigentlich abgesprochen?

W: Nein, wie soll ich das absprechen? Ich kann nicht sagen, du machst links die Hand rauf und ich rechts und dann nehm ich den Fuß, das geht überhaupt nicht, das ist unmöglich. Es gibt so Absprachen, also wenn zwei Große aufeinandertreffen, dass man sagt: ‚Du, hör zu, fünf Runden ringen wir, ziehen die Show ab.‘ Es muss ja etwas geboten werden. Aber dann läufts, wie es läuft. Als der bei meinem Weltmeistertitel durchsagt  ‚Ten minutes time to go!‘ – bummbumm, haben wir uns nur angeschaut und dann geht’s los! Das geht keine zwei Minuten, ich hab ihn sofort gefesselt und fixiert und nie mehr eine Sekunde locker gelassen. Das ist ja das Schöne daran – dass das Publikum heim geht und der eine sagt: ‚Das ist alles ausgemacht gewesen, das ist Show.‘ Und der andere sagt: ‚Moment, ich hab jetzt was gesehen, das war sicher nicht ausgemacht, weil das war ganz beinhart.‘ Und dann wissen sie wieder nicht, was ist jetzt wirklich.

L: Hat man nicht als Catcher, gerade wenn man dann schon ein Superstar ist, an jedem Finger 10 Frauen?

W: Also die Bridgedamen meiner Frau haben mich gar nicht akzeptiert! Irgendwann haben sie mich doch einmal angesprochen, dass es hier bei uns im Café ja sehr nett ist, aber wieso ich so was mache: ‚Sie kämpfen und das ist blutig und Sie verletzen Leute!‘ Und ich hab gesagt: ‚Ich muss Ihnen sagen, ich bin wirklich nicht der Mensch, der sich dabei amüsiert, ich muss mich jeden Tag zusammenreißen, dass ich das über mich bringe, ich kann das nicht, das Brutale. Und weil Sie schon so lange bei uns sind, sag ich Ihnen die Wahrheit: Ich fahr jeden Tag in den Schlachthof und trink das Blut der jungen Kälber, wenn sie geschlachtet werden. Und das motiviert mich so und dann könnt ich einen umbringen beim Heimfahren!‘ Die sind nie wieder gesehen worden. Ich hab so viel gelacht! Die Leute wollen das haben. Aber sonst, wegen den Frauen: Mah – da passieren böse Sachen! So lustig ist das nicht. Weil enttäuschte Frauen können sehr gefährlich werden.

[…]

Das ganze Interview gibts in der neuen Ausgabe „Alles wahr“. Bestellen kann man das HIER.

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