Eich Dodln gib i Gas!

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Austrofred is „Made in Steyr“. Ein Auszug aus dem letzten Heft.

Bekannterweise bin ich ja in Steyr geboren, nämlich im dortigen Landeskrankenhaus, 1972 im Juli. Von dem her bin ich vom Sternzeichen her ein Krebs, und viele Leute sagen, dass man das bei meinen Liedern auch oft merkt, vor allem bei den Balladen merkt man das, dass ich direkt eine gefühlvolle Ader habe, beziehungsweise sogar eine gewisse Sensibilität, die man einfach aus der Musik herausspürt. Aber genauso wie die Sterne einen ja für das ganze Leben prägen, für den Erfolg und für das Liebesleben, genauso prägt einen natürlich auch der Geburtsort. Deswegen habe ich auch so eine enge Bindung zu meiner Steyrer Stadt, das ist ganz natürlich, da fällt halt einfach der Apfel nicht weit vom gefühlsmäßigen Stamm. Einmal habe ich mir direkt eine Träne verbeißen müssen, wie der Assinger in der Millionenshow einen gefragt hat, welche zwei Flüsse fließen in Steyr zusammen, und ich natürlich gleich geschrieen vorm Fernseher, wie aus dem Hinterladergewehr geschossen, das sind die Steyr und die Enn! Der Kandidat war aber, wenn ich das einmal so sagen darf, ein ziemlicher Vollkoffer und hat das nicht gewusst. Er hat dann auch nur 500 Euros gewonnen.

Aufgewachsen in dem Sinn bin ich aber nicht in Steyr selber, sondern in einer kleinen Gemeinde in der Nähe, wo aber ausgemacht ist, dass ich das nicht herschreiben soll, wie die heißt, weil die Leute dort haben natürlich Angst, dass dann die Touristen kommen, und das wollen sie eigentlich nicht, weil das hat man gesehen auch beim Elvis in seinem Graceland, was er da gehabt hat, was dann los ist, wenn die Touristen einmal wirklich kommen. Medjugorje genau dasselbe. Es wäre etwas anderes, wenn sie eine Kur machen würden für länger, aber solche Rocktouristenpilgeranten, das sind mehr so die Durchfahrenden, die täten nur gach schauen, aha, da ist also der Austrofred aufgewachsen, da ist er in die Volksschule gegangen, das ist der Friedhof wo er immer um zwanzig Schilling bei den Begräbnissen ministriert hat, aber sie würden nichts konsumieren, und von dem her ist das dann natürlich laff, weil da brauche ich keinen Tourismus, dass dann die Leute kein Geld da lassen. Wenn sie ein Geld dalassen würden, dann wäre es etwas anderes, dann hätten sie eh schon ein Schild stehen, Willkommen in der Heimatgemeinde des einzigartigen Champions, aber so zahlt sich das nicht aus. Sonst haben sie dieselbe Schererei wie die Erzieher von dem Katholischen Internat, wo ich war in Braunau, wie ich in der Berufsschule war für den Speditionskaufmann, wo nämlich beinahe fast täglich Menschen kommen von überall her und fragen, wo war denn das Zimmer vom Austrofred, war das dem Austrofred seine Nasszelle, wie oft hat er sich denn da geduscht im Schnitt in der Woche. Und die Erzieher sagen halt dann darauf, dass ich eh sehr reinlich war, hygienisch direkt, und dass es auch so nie Probleme gegeben hat, viele Mädchenbesuche halt, eh klar. Und die Touristen schauen dann recht zufrieden drein, aber Geld lassen sie keines da. Und das wollen sie natürlich nicht haben in meiner Heimatgemeinde, weil da stehen dann nur den ganzen Tag die Touristen da und flascheln den halben Pfarrgemeinderat aus über mich, aber essen fahren sie dann nach Steyr.

Obwohl, Steyr ist ja weniger eine Tourismusstadt, sondern mehr Industrie, was vor allem auch dem dortigen Josef Werndl liegt, vom dem sie heute noch das Werndldenkmal haben, gleich ums Eck vom früheren Forumkaufhaus, das heißt aber jetzt City Point und ist dort in der Nähe vom Cityplexxx, das ist das frühere Kino, wer es kennt. Der Werndl war damals das, was heute der Robert Hartlauer ist, nur hat er in erster Linie Waffen gemacht und keine Hörgeräte beziehungsweise Zahnprothesen. Weil der Werndl hat ja selber das Hinterladergewehr erfunden, das ist also quasi eine Steyrer Errungenschaft, so ist das, aber sonst sind die Steyrer ein friedlicher Schlag. Schießen tun sie halt so gern.

Steyr-Land hat übrigens bei der Autonummer die Ziffer SE vorne dran, wo viele sagen, wieso, das ist ja gar nicht logisch, aber mit einer Logik haben solche Sachen meistens nicht viel zu tun, da sieht man halt einfach nicht hinein. Oft werde ich wegen dem SE auf meinem Taferl gefragt, ob ich leicht aus Schärding komme. Wie die auf das kommen, weiß ich auch nicht, es ist ja nirgends wo ein E in Schärding, aber in die Leute sieht man oft halt noch viel weniger hinein. Steyr-Stadt hat übrigens als Autonummer SR, auch da steckt in dem Sinn keine größere Logik dahinter. Super passen täte stattdessen STS, aber mich fragt ja keiner.

Was die wenigsten wissen, ist ja, dass Steyr auch ein Schigebiet ist, zumindest im Umland gibt es doch einige Lifte, und auch immer wieder einen Schnee. Das ist sicher auch der Grund warum es mich als kleiner Freddie bald hinaufgezogen hat auf die Berggipfel, beziehungsweise auf die Brettln, die ja bei uns in Österreich bekanntlich die Welt bedeuten. Und ich war auch als Kind, respektive Jugendlicher, ein erstklassiger Schifahrer, ja, ein vielversprechendes Talent direkt, und viele sagen heute noch, wenn ich nicht heute dort stehen würde, wo ich heute stehe, dann würde ich heute dort stehen, wo der Hermann Maier heute steht. Nämlich zwar auch ganz oben, aber im Skizirkus oben, und nicht im Austro-Rock’n’roll-Circus. Aber ich habe mich nun einmal gegen eine professionelle Sportlerkarriere entschieden, sondern hab den viel schwierigeren Weg genommen hinein in eine künstlerisch wertvolle Laufbahn, und das habe ich eigentlich bis heute nie bereut.

Ein früherer Bühnentechniker von mir hat einen Freund, dessen Frau kommt aus dem Flachgau, wo auch der Herrmann Maier herkommt, und die sagt, der Hermann Maier macht das bei den ganzen Wirten immer so, dass er sich ein Schnitzel bestellt und ein Bier, und dann aber nichts zahlt fürs Essen. Nie. Weil er sagt, ich mache als Olympiasieger so viel Werbung für Euch, das könnts ihr mir sowieso nie im Leben alles zurückzahlen. Die Wirten sind natürlich mittlerweile alle schon ziemlich angefressen auf ihn, aber im Grunde hat er natürlich recht. Und ich denke mir, wenn da ins Flachgau schon so viele Leute kommen wegen dem Hermann Maier, ja, wie viele täten dann erst in meinem Heimatort kommen!

Allerdings: mein Bier täte ich mir deswegen schon noch selber zahlen, weil soweit kommts noch.


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