Austrofred

Austrofred für Landjäger Magazin

Does Humour belong in Music?

Diese Frage hat vor langer Zeit einmal der geniale Frank Zappa gestellt. Fast zwanzig Jahre nach seinem Tod möchte ich hier bescheiden versuchen, eine Antwort auf diese schwierige und grundlegende Frage zu finden. Sie lautet ja.

Natürlich ist die Rockmusik vom Prinzip her eine ernsthafte Sache, und ich bin der Erste, der sagt, so etwas darf man nicht verwitzeln. Weil wenn ich jetzt einmal hernehme ein Stückl von den Led Zeppelin oder von den Yes, dann hat das ja teilweise künstlerisch-symphonische Ausmaße, wo ich sage, da hat ein Humor nichts zum Suchen. Auch meine eigenen Lieder haben oft einen ernsthaften Hintergrund. Irgendwann bleib i dann dort, einer von meinen Hits, eine STS-Adaption, handelt zum Beispiel von einem, der aussteigen möchte, weil er sich in unserer westlich-hektomatischen Welt nicht mehr zurechtfindet. Das geht vielen Leuten tief ins Herz respektive in die Seele hinein. So etwas verwitzeln, das heißt, die Menschen nicht ernst nehmen.
Trotzdem lasse ich es mir nicht nehmen, dass ich in meiner Show immer wieder auch Humor und witzige Einlagen einfließen lasse, als Auflockerung. Ich bin privat der wahrscheinlich humorvollste Typ, den ich kenne, und das darf man auch live durchaus merken.
Ein besonders gelungener Witz, den ich sicher schon an die 500 Mal gebracht haben, ist die Ortsverwechslung Wels /Wales. Wenn man den halbwegs spontan bringt, dann kriegt man damit eigentlich jedes Publikum. Und zwar funktioniert das so, dass ich erzähle, dass ich letzte Woche einen Gig in Wels gespielt habe (was meistens auch stimmt, weil ich spiele sehr viel in Wels). Allerdings spreche ich dabei Wels nicht schriftsprachlich aus und auch nicht im oberösterreichischen Dialekt, also als Wöös, sondern auf Englisch, und von dem her glauben die Leute, ich war in Wales. Und durch das entsteht dann die Komik, weil da stellen sich die Leute gleich im Kopf vor, wie da der Austrofred in Großbritannien aufgeigt und ein bisschen mit dem Prince Charles parliert. Das gibt immer ein Riesen-Hallo, wenn ich dieses „Missverständnis“ dann aufkläre. Manchmal lege ich auch noch einen drauf, indem ich ein bisschen später ankündige, dass ich nächste Woche auf Tour bin durch Deutschland……… -sberg! Da hat sich oft schon einer fast angeschifft.
Natürlich muss man sich immer ganz genau überlegen, was für einen Witz man wo bringt, weil es reagiert ja nicht jedes Publikum auf jeden Witz gleich. Da darf man nicht einfach drüberfahren, sondern so einen Witz muss man maßschneidern. Klar, bei einer Veranstaltung des Bauernbundes werde ich ja auch nicht über die Studiengebühren reden, die ja die Landbevölkerung Nüsse interessieren, sondern zum Beispiel über Landmaschinen, wohingegen vor einem Studentenpublikum die Studiengebühren natürlich sehr wohl ein Thema sind. Teilweise sogar das einzige.
Ein gängiges Beispiel aus meiner Praxis: Normalerweise kommt es bei meinem Publikum – das laut Volkszählung aus gut sechzig Prozent Männern besteht – immer sehr gut an, wenn ich ein paar Bierwitze bringe. Normalerweise reicht es schon, wenn ich ein bisschen ungeschickt trinke. Aber hin und wieder gibt es Gigs, die eine andere, östrogenhaltigere Publikumszusammensetzung haben, zum Beispiel weil es sich um ein Sex-and-the-City-Clubbing handelt oder im Fernsehen zeitgleich Bayern München gegen Real Madrid rennt. Und da muss ich dann blitzschnell umschalten können von der Bier- auf die Romantikschiene. Ich gebe zu, das erfordert einiges an Virtuosität, aber ich bin ja eh kein Frischgefangter mehr.
Wahrscheinlich werden jetzt einige aufspringen und sagen, Austrofred, das sind ja komplette Stereotypen, die du da vertrittst, geschlechtsmäßig, das geht ja doch nicht. Es muss aber gehen. Weil natürlich könnte ich jetzt scheinheilig sagen, zwischen Männern und Frauen gibt es keinen Unterschied, weil das kommt in einem Interview gut an – aber auf der Bühne bringt mir das nichts! Sondern da steh ich deppert da, wenn ich einen falschen Gag bringe! Das ist etwas für den theoretischen Elfenbeinturm, aber nicht für die Realität der Show.
Tatsächlich ist es so, dass Humor in meiner musikalischen Praxis eine so große Rolle spielt, dass es mir mehrfach schon passiert ist, dass ein Veranstalter einen Gig von mir als „Kabarett“ angekündigt hat. Das hat sich erst gebessert, seit ich in meinen Verträgen einen entsprechenden Passus eingebaut habe, wonach ich eine solche Falschettikettierung rigoros mit einer Pönale von 2000 Euros ahnde. Das ist hart, ich weiß, aber in solchen Fällen muß man halt durchgreifen, weil das ist ja eine Rufschädigung. Nicht, dass ich etwas gegen einen Dorfer oder einen Düringer sagen möchte, weil das sind ja keine Trotteln. Das sind durchaus intelligente und engagierte Menschen (oder möchten es zumindest sein) und ich habe mich schon oft privat über ihre Filme abgepeckt. Aber ich selber bin halt ein Rockstar, und als solcher habe ich eine gewisse Würde aufrechtzuerhalten.
Ganz wichtig in Zusammenhang mit Humor: Flexibilität! Hin und wieder finden die Leute bei meiner Show auch etwas lustig, was ich gar nicht dafür vorgesehen habe. In meiner aktuellen Fire, Light & Austrofred-Show, wo ich meine Greatest Hits durch neue optische Möglichkeiten (Laser, Lichteffekte, aufsehenerregende Kostüme) auffette, habe ich mir zum Beispiel für den Hit Schifoan etwas ganz Spezielles überlegt, nämlich dass ich da, passend zum Song, mit Schischuhen auf die Bühne stürme. Allerdings habe ich bei der Konzeption nicht bedacht, dass das mit dem Stürmen in den unhandlichen Schischuhen nicht ganz so leicht ist – wer schon einmal in Schischuhen von der Liftstation zum Apres-Ski gehaxelt ist, der weiß, was ich meine. Auf jeden Fall war das dann bei der Premiere nicht der große Showmoment, den ich geplant habe: Zu deutlich hat es an der nötigen Dynamik gehapert, und beim Abgang hat es mich dann sogar noch aufgestellt. Die Wahrheit ist: Die Leute haben gelacht – ja, sie haben mich ausgelacht!
Ich bin dann von der Bühne gestürmt und habe meinen Stage Manager mit durchaus kräftigen Worten zusammengeschissen, weil er mir die Schuhe zu langsam angezogen hat. Und weil er überhaupt so ein fades Geschau hat. Da bin ich nicht stolz darauf, aber so war das.

Und dann sind aber nach der Show viele Fans auf mich zugekommen und haben mir mit Tränen in den Augen zur Show gratuliert, und ein jeder von ihnen hat gesagt, dass die witzige Einlage mit den Schischuhen das Beste war. Austrofred, das war genial, haben sie gesagt, das war ein perfekter Slapstick, wie er auch einem Peter Alexander gut angestanden hätte! Und ich habe gesagt, dankeschön, genauso war es geplant! So  kann sich eine Niederlage in einen Sieg verwandeln, wenn man humorvoll und flexibel bleibt.
Natürlich habe ich später auch noch die Größe bewiesen, dass ich mich bei meinem Stage Manager für die Zurechtweisung entschuldige. Für den verbalen Teil zumindest, eine Watsche kann man ja nicht zurücknehmen.

Austrofred in Landjäger Witz 2012

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