KW 10: Ausgetritscht
Wie offiziell bestätigt, schließt das Tritsch mit dem letzten Maitag seine Türen. Erwartungsgemäß hat diese Meldung sogleich einen wahren Webzwopunktnullhurricane ausgelöst. Facebookaktivisten haben unverzüglich Protestgruppen gebildet, megabytegroße Tränen wurden vergossen, digitale Wutausbrüche präsentiert und die Emoticons haben grantige Fressen gezogen. Schaufelt man das Pathos jetzt wieder weg, bleibt die Tatsache, dass die Bar schließt. Welche Folgerungen lassen sich daraus ziehen?
Für Wohnende
Erstens: Wenn man ein überdurchschnittlich gutes Gehör hat oder sehr empfänglich für Nebengeräusche ist, sollte man von der Idee Abstand nehmen, in eine Wohnung oberhalb einer Gaststätte zu ziehen.
Zweitens: Will man etwas erreichen, zählt also in erster Linie die Hartnäckigkeit. Die Art der Strategie und die Wahl der Mittel sind nebensächlich. Auch auf kommunikative Fähigkeiten kommt es nicht an. „Nicht locker lassen“ lautet die Geheimformel. Allerdings gilt es zu beachten, dass auch die Möglichkeiten dieser Strategie beschränkt sind. Wenn beispielsweise jener oben erwähnte Feinhörige sich vom durchaus vorhandenen Straßenlärm der Bregenzerwälder Bundesstraße belästigt fühlt, so werden tägliche Anrufe bei der Bezirkshauptmannschaft mit der Forderung, den Verkehr einzustellen, nur begrenzt erfolgreich, aller Wahrscheinlichkeit nach sogar erfolglos sein. Ebenso gering sind vermutlich die Erfolgsaussichten, das Läuten der Kirchenglocken am Sonntagmorgen durch Anrufe bei der Diözese zu verhindern, beziehungsweise folgerichtig die Schließung der Kirche einzufordern.
Für die Zielgruppe „Tritschbesucher“
Wer sich jetzt über das sinkende Kulturangebot im Bregenzerwald beklagt, hat mit dieser Kritik natürlich Recht. Allerdings sollte man sich dann auch fragen, inwieweit man denn das kulturelle Angebot letztlich genützt hat, sprich: Bereit gewesen ist, gelegentlich dem Clubbing fernzubleiben und sich stattdessen für die Veranstaltung zu entscheiden, die unter anderem auch den Einsatz des Gehirns bedingt hat. Die Antwort auf diese Frage und die Lautstärke der Klage sollten schließlich kompatibel sein.
© asinus