Heinz
Das Undenkbare ist eingetreten, das, von dem alle wussten, dass es irgendwann kommen würde, das sich aber dennoch keiner auch nur in Ansätzen vorzustellen wagte und auch nicht konnte, ist diese Woche zur schockierenden Gewissheit geworden. Das Unbehagen, die Zukunftsangst, ja die Verzweiflung kriecht Österreichs Männern über den Körper wie kalte Schweißtropfen aus den Achselhöhlen über die Brustwarzen. Heinz Prüller, vom ORF kaltblütig in die Pension abgeschoben. Er, der schon Formel-Eins- und Damenskirennen kommentiert hat, als die hirnintubierten Co-Kommentatoren Assinger oder Knauß noch gar nicht geboren waren. Wie wird das in Zukunft sein, ein rennentscheidendes Überholmanöver zu beobachten und dabei nicht von Prüller Informationen zur Vorliebe für Schokolade-Zimt-Glasuren auf Geburtstagskuchen vom kreuzworträtselliebenden Friseur Nigel Mansells Schwiegermutter versorgt zu werden? Einen Massencrash ohne prüllersche in Dutzenden Nebensätzen aufbereitete Ode an Jeremy II, den alle Kunststücke beherrschenden Labrador Retriever von Piquet, der leider Gottes 1986 einer Lungenentzündung, die er sich beim Bad mit einer befreundeten Fox-Terrierin im kalten Schmelzwasser zugezogen hatte und nie mehr richtig auskurieren konnte, erlag. Fast noch schlimmer ist jedoch die Vorstellung, was aus Heinz Prüller werden wird. Sein Schicksal scheint besiegelt: In einer heruntergekommenen Kneipe im sechzehnten Wiener Gemeindebezirk wird man ihn finden, am Sonntagnachmittag, in denselben schmutzigen Kleidern, ebenso betrunken wie vergangenen Sonntag. Er wird unverständliche Verrücktheiten vor sich her brabbeln, ab und zu wird man den Namen eines einst großen Fahrers heraushören, er wird drallen Frauen an die Brüste fassen wollen, er wird Streit suchen, meist von niemandem beachtet werden, er wird letztlich nicht einmal mehr seine Zeche bezahlen können und damit nur aufgrund des guten Willens des Wirten ungeschoren davon kommen.
© asinus
